Mehr über den Autor
Wolfgang Herrndorf wurde 1965 in Hamburg geboren. Er studierte in Nürnberg Malerei und arbeitete als Illustrator für den Haffmans Verlag. Später widmete er sich der Literatur und veröffentlichte 2002 seinen Debütroman 'In Plüschgewittern'. 2004 gewann er beim Ingeborg-Bachmann-Preis den Kelag-Publikumspreis. Außerdem wurde Wolfgang Herrndorf 2008 mit dem erstmals vergebenen Deutschen Erzählerpreis ausgezeichnet. Er lebt heute in Berlin und schreibt regelmäßig im Internetforum 'Wir höflichen Paparazzi'.
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Jugendstil Magazin / Reingelesen
"Der Schneemann" (Jo Nesbö)
| Autor: | Stefan Rakebrand |
| Kamera: | Josephine Kroneberg, Stefan Rakebrand |
| Länge: | 4min |
Hallo liebe Leser,
ich bin gerade in einem Generationskonflikt. Versteht mich nicht falsch: ich habe keine Probleme mit meinen Eltern! Aber nachdem ich dieses Buch gelesen habe, weiß ich nicht so recht, ob ich mich der X oder der Y-Generation zuordnen soll. Genau wie 'Generation Golf' umfassen diese postmodernen Begriffe eine Gruppe von Menschen, die durch einen abgegrenzten Geburtenzeitraum die gleichen Aufwuchs-Bedingungen hatten. Diese Schlagworte beinhalten somit auch eine gemeinsame Gesellschaftsansicht, aber auch ein bestimmtes Lebensgefühl. Generation X beschreibt somit die in den 60er und 70er-Jahren geborene Generation.
Ich bin natürlich noch keine 30, aber wie der namenlose Ich-Erzähler in Wolgang Herrndorfs Buch 'In Plüschgewittern' seine Geschichte erzählt, da sehe ich doch viele Parallelen zu meinem Leben. Von dem Roman sollte man aber keine ausgereifte Handlung erwarten. Dem Autor ging es vielmehr um das schon angesprochene Lebensgefühl.
Der Namenlose...ich nenn ihn mal einfachhalber Mister X ist Anfang 30. Er besucht seinen besten Freund Desmond in Berlin. Dieser vermittelt ihm auch gleich eine Schlafgelenheit bei einem Bekannten, der für einige Zeit unterwegs ist. Die weiteren Ziele von Mister X sind jedoch unklar. Er schaut sich zwar freie Wohnungen an und redet davon sesshaft zu werden, doch vieles scheint ihm immer sehr schnell abzulenken. Diese Dinge sind größtenteil Alkohol und Frauen. Aber denkt jetzt nicht, es geht hier um einen versoffenen Schürzenjäger. Ganz bestimmt nicht.
Es geht eher um Geschichten aus seiner Vergangenheit, in die er sehnsüchtig flieht, um sich von den heutigen Problemen anzulenken. Durch seine aktuellen Beobachtungen und Weltanschauungen wirkt er dagegen sehr verwirrt und vielleicht etwas manisch-depressiv. Er ist zwar intelligent, doch er drückt sich meist sehr ironisch aus. Auf dem ersten Blick denkt man, ihm sei alles egal, doch er hat sein eigenes verschrobenes Weltbild, dass man auch schnell in diese Generationskiste schmeißen kann.
Mister X spickt also seine Erzählung mit Erinnerungsfetzen und torkelt von Kneipe zu Kneipe auf der Suche nach einer unbestimmten Zukunft. Später verliebt er sich sogar in eine Frau, von der er aber bis zum Ende nicht erfährt, ob sie nun lesbisch oder auch an ihm interessiert ist. Es ist halt alles nicht so einfach. Sein Leben wirkt real, aber dennoch so weit entfernt, dass man nicht weiß, ob man ihm die Rolle des Antihelden geben sollte. Ist er nur die zugespitzte Version der Gedanken- und Gefühlsverworrenen Generation X? Oder ist er widerum nur eine Parodie, die mit leichten Wahrheiten und Klischees zu einem selbstironischen Zeugnis dieser Generation geworden ist?
Auf jedenfall ein Versuch, sich in der heutigen Gesellschaft einen Platz zu sichern.
Der Autor Wolfgang Herrndorf hat kein Definitionsbuch geschrieben. Es ist auch kein Berlin-Roman und verständlich auch keine Liebesgeschichte. Es spiegelt nicht mal die gesammelten Ansichten einer Generation der letzten 40 Jahre wider. Was bleibt ist ein kurzes Stück Leben in einem kurzen Stück Literatur. Kein neuer Plot, keine neuen Charaktere. Dennoch sehr unterhaltsam und auf jedenfall kurzweilig. Je näher man selber an dieser Generation X ist, desto eher erkennt man Gemeinsamkeiten mit dem Protagonist.
Der Titel 'In Plüschgewittern' wird zwar nicht erklärt, doch beschreibt schon ziemlich gut, wie man gegen etwas sein kann, ohne dagegen zu protestieren. Der berliner Autor will sich mit seinem Debütroman zwar nicht von der Gesellschaft abkapseln, hat aber damit eine große und junge Fangemeinde erschaffen, die sich nun unter dem Decknamen Generation X gruppiert.
Das Taschenbuch ist mit 184 Seiten im Rowohlt-Verlag erschienen. Die Erstausgabe ist von 2002, deswegen wird in dem Buch auch noch mit der Mark bezahlt und alte Schoten, wie der Ost-West-Konflikt thematisiert. Folglich ist bereits die nächste Generation im Anmarsch. Die Y-Generation. Wenn ihr wissen wollt, wer dazu gehört und was sie kennzeichnet, dann googelt es doch nach. Denn das ist bereits eine bezeichnende Eigenschaft der Generation Y. Hmm...ich glaub ich gehöre doch dazu. Tja, das werde ich wohl mal gleich mit meinem Blackberry twittern.
Also liebe Leser, bis zum nächsten mal.
(August 2010)
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