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| AutorIn: | Torsten Porstmann |
| Kamera: | Torsten Porstmann, Stefan Rakebrand |
| SprecherIn: | Jacqueline Piwon |
| Länge: | 4min |
Leer stehende Gebäude in Magdeburg zu finden ist einfach. Schwieriger ist jedoch die Frage, wie man dem am besten begegnen kann. Neun Magdeburger haben darauf eine Antwort gefunden. Einen Monat lang nutzen sie unter dem Pseudonym Urbanpiraten eine Wohnung als Galerie und Veranstaltungsort.
Einer der Piraten ist Alexander Hanke. Eigentlich Grafikdesigner, ist er nun unfreiwillig Künstler auf Zeit.
'Wir würden uns selber nicht als Künstler bezeichnen. Aber sobald man eine Galerie aufmacht oder Bilder hinhängt bekommt man sofot den Stempel 'Künstler' aufgedrückt. Aber ich bin kein Künstler, sondern Gebrauchsgrafiker. Klar sind die Bilder und Installationen in den Räumen hier in gewisser Weise Kunst. Ich denke auch dass es deutlich näher dran ist als vieles was sonst in den Galerien geht.'
Dabei ist eine Galerieeröffnung in Magdeburg an sich schon eine Kunst.
'In Magdeburg ist es schwieriger den Leuten Kunst zu vermitteln, einfach weil es meiner Meinung nach keine Kunst- und Kulturstadt ist. Zwar bessert es sich, aber auch deshalb weil viele Leute Initiative zeigen. Das ist wichtig. Denn ich glaube dass der Stadt in dieser Hinsicht immer noch schwere Jahre bevorstehen.'
Noch schwieriger dürfte es jedoch gewesen sein die Mieter vom Konzept zu überzeugen. Denn neben der Ausstellung finden unter anderem auch Konzerte statt. Damit macht man sich in der Regel bei den Nachbarn nicht sonderlich beliebt - Sollte man meinen.
'Wir sind zu allen Mietern hingegangen und haben ihnen erklärt was wir hier vorhaben und auch allen unsere Nummern und Namen gegeben dass wenn was sein sollte sie uns erreichen können. So dass sie nicht gleich die Polizei rufen, wir wollten ja keinen Stress, aber sie sollten natürlich auch keinen Stress mit uns haben. Und als wir der einen WG direkt über uns gesagt ahtten dass es eben heute losgehen würde und es deshalb ein wenig lauter werden könnte haben die nur gemeint 'Na, das wollen wir doch hoffen!'.'
Probleme gab es dagegen von ganz anderer Seite:
'So wie es sich gerade im Moment mit den Ämtern gestaltet hat man irgendwann einfach keine Lust mehr irgendwas zu machen. Schon im Vorfeld hatten wir ja bereits dreimal die Location wechseln müssen, obwohl es dafür Zusagen gab die dann aber kurzfristig wieder zurückgezogen wurden. Und jetzt kommen die Ämter und wollen uns den Saft abdrehen, zumindest haben wir das Gefühl dass sie es wollen. Da verliert man auch einfach wieder die Lust.'
Da sind andere Städte schon bedeutend weiter. In Leipzig zum Beispiel finden in leer stehenden Gebäuden regelmäßig Veranstaltungen statt.
'In Leipzig sind in den heruntergekommensten Häusern die größten Parties, da beschwert sich kein Anwohner, niemand. Da scheint es zu funktuionieren, auch weil die Stadt anscheinend verstanden hat dass Kultur wichtig ist. Das wird in Magdeburg vielleicht nie ankommen, dass Kultur auch Wirtschaftlich was reissen kann.'
Von der anfänglichen Euphorie ist bei den Urbanpiraten nicht viel übrig geblieben. Dennoch können sie sich vorstellen auch in Zukunft ähnliche Aktionen auf die Beine zu stellen. Nach den jetzigen Erfahrungen dann aber wohl nicht mehr in ihrer Heimatstadt.
(Juli 2008)
