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Holz - Eine Leidenschaft
AutorIn:Torsten Porstmann, Caroline Siegner
Kamera:Torsten Porstmann
Länge:4min


Es stinkt, es raucht und es lärmt – mit der romantischen Vorstellung von Kunsterschaffung hat die Arbeit von Mathias Knöfel nichts zu tun. Das könnte daran liegen, dass er momentan noch eher Handwerker als Künstler ist. Denn Kunst – das war für ihn lange Zeit kein Thema.

"Ich habe noch nicht immer Kunst gemacht, sondern die Kunst ist irgendwie an mich herangekommen", so Mathias. "Erst in den letzten zwei, drei Jahren hat sich das so entwickelt."

Davor beherrschten vor allem zwei Sachen sein Leben: die Liebe zum Wasser und vor allem zum Holz. Dazu waren seine Eltern im Wassersport aktiv. Und so kam am Ende alles zusammen.

"Schon als Kind habe ich die Leidenschaft zum Holz entdeckt, die bis jetzt auch nicht abgerissen ist", erinnert er sich. "Zusammen mit der Liebe zum Wassersport und dem Wasser allgemein kam dann der Berufswunsch zum Bootsbauer. Mit 16 Jahren hatte ich die Ausbildung angefangen, und arbeitete nach deren Beendigung als Bootsbauer zuerst in Schleswig-Holstein."

2005 verschlug es Mathias nach Neuseeland, wo er auch als Bootsbauer arbeitete, bevor er wieder nach Magdeburg kam. Durch die Freundschaft zu lokalen Künstlern und Bildhauern erlernte er den Umgang mit Metall – und entdeckte die Kunst für sich. Eine eigene Werkstatt besitzt er noch nicht. Zur Zeit kann er die Arbeitsräume des Magdeburger Bildhauers Joachim Röderer mit benutzen. Eine große Hilfe, ist es doch vor allem zu Beginn schwierig an solche geeigneten Werkräume zu gelangen.

In seinen Werken geht es ihm nicht um besonders tiefgründige oder abstrakte Inhalte. Er nutzt sein handwerkliches Wissen, um die Wahrnehmung des Betrachters herauszufordern.

"Die Leute haben immer von bestimmten Dingen, die sie sehen, immer eine genaue Vorstellung. Davon weichen sie in der Regel nur sehr selten ab. In ihren Köpfen läuft da ein Schema ab, wodurch sie sich einige Sachen gar nicht mehr genauer ansehen. Dieses Schema aufzubrechen, das finde ich ziemlich interessant."

Die Ideen zu seinen Werken bilden sich meisten erst während des Entstehungsprozesses heraus. Am Anfang steht eine grobe Idee, die sich bei der weiteren Arbeit immer weiter verfeinert. Wie bei seinen Milchtüten aus Metall, mit denen er in diesem Jahr auch prompt den dieHO-Kunstpreis gewann.

"Bei den Milchtüten hatte ich versucht es optisch so aussehen zu lassen wie eben richtige Milchtüten aus Karton, wenn sie zum Beispiel im Gebrauch sind. Irgendwann soll man dann feststellen 'Oh, die sind ja gar nicht aus Karton'!"

Holz ist aber nach wie vor Mathias' Lieblings-Werkstoff. Und dennoch ist er ständig auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Metall, Keramik, Fotografie und Kurzfilme – nichts, was er nicht schon probiert hat. Und so vieles, was es noch auszuprobieren gilt.

"Ich denke dass es sich irgendwann herauskristallisieren wird in welche Richtung ich gehen werde. Aber im Moment habe ich mein Spektrum noch ein bisschen weiter gefächert."

Eine Entscheidungshilfe könnte da ein Kunststudium sein. Davon erhofft er sich auch Inspiration und neue Kontakte. Angst, dass seine noch sehr intuitive Arbeitsweise durch das Studium beeinflusst wird, hat er nicht.

"Man kauft da ja auch die Katze im Sack, wie bei allen möglichen Studiengängen. Was man im Endeffekt dort lernt weiss man ja nie, aber ich will es einfach mal ausprobieren."

Eines ist auf jeden Fall klar: auch nach dem Studium wird Holz als Werkstoff seine Arbeiten bestimmen. Ob in Magdeburg oder überhaupt in Deutschland, das ist eine andere Frage. Aber darüber kann sich Mathias Knöfel ja später immer noch Gedanken machen.

(Mai 2009)


Weitere Informationen:


Mathias Knöfel ist nicht nur gelernter Bootsbauer, eher könnte man ihn als (künstlerischen) Tausendsassa bezeichnen. Denn neben der Kunst und dem Bootsbau designt er auch Brillen - natürlich aus Holz.
Bei dem diesjährigen dieHO-Kunstpreis zur Förderung von jungen Nachwuchskünstlern aus Sachsen-Anhalt konnte er die Jury mit seinen Milchtüten aus Metall überzeugen. 25 davon sind insgesamt entstanden.


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