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Jugendstil Magazin / Videoportal
| AutorIn: | Torsten Porstmann, Caroline Siegner |
| Schnitt: | Torsten Porstmann |
| SprecherIn: | Christina Knop |
| Länge: | 4min |
Nicht überall, wo Piraten auftauchen, sorgen sie für Angst und Schrecken. In Magdeburg würde man sich sogar wünschen, dass sie öfter die Stadt entern.
Denn die Urbanpiraten stehen für ein ungewöhnliches Galeriekonzept. Ungenutzter Wohn- oder Gewerberaum wird kurzerhand zu einem Kulturgebiet erklärt. Und das schon zum zweiten Mal.
Doch nach Problemen und Ärger mit den Ämtern im letzten Jahr war eine Wiederholung alles andere als sicher. Am Ende überwogen jedoch die positiven Erinnerungen.
"Irgendwann setzt ja auch das Vergessen ein, und man wirft die ganzen gemachten Erfahrungen in eine Waagschale", so Alexander Hanke, Grafiker und einer der 13 Urbanpiraten. "Man überlegt sich, was im Nachhinein überwiegt: der Ärger oder das Feedback von den Leuten und das persönliche Gefühl, ob das ein gutes oder schlechtes Projekt war. Da mussten wir auch gar nicht mehr lange überlegen und es stand dann ziemlich schnell fest dass wir das wieder machen. Auch das Team war dann wieder relativ schnell gefunden."
Aus Fehlern wird man ja bekanntlich klug, und so gingen sie dieses Mal in einer ehemaligen Kneipe vor Anker. Brand- und Lärmschutz sind hier kein Problem. Sie können sich also ganz um ihr eigentliches Anliegen kümmern, das sich diesmal um das Thema Gemüse dreht. Im weitesten Sinne, wie Alexander erklärt:
"Bei uns steht dieses Mal alles unter dem Motto 'Esst mehr Obst und Gemüse'. Eben weil wir den Leuten junges Gemüse, junges Kunstgemüse bieten wollen, wie man so schön sagt. Ein Gemüseladen ist ja ein reiches Paradies an verschiedenen Sachen, und das soll hier genau so sein, genau so vielfältig. Was für den Gemüseladen das Obst, dass ist für uns die Kunst."
Statt Kohlezeichnungen gibt es Graffiti, statt Skulpturen skurrile Stofftiere. Die ganze Bandbreite junger urbaner Kunst an einem Platz - ein Novum in Magdeburg.
Dabei haben wir auch einen alten Bekannten entdeckt: Der Street-Art-Künstler "Fräulein Lieschen" hat sich den Urbanpiraten in diesem Jahr ebenfalls angeschlossen. Dass die Kunst der Straße jetzt in einer Galerie ausgestellt wird, darin sieht er jedoch kein Problem.
"Für mich ist Streetart hauptsächlich eine Stilistik", so der Streetart-Künstler. "Wo man sie am Ende präsentiert, ob auf der Straße oder in einer Galerie, das ist mir im Prinzip egal. Ich habe auch kein Problem damit wenn Streetart-Künstler in die Werbung oder ins Design gehen. Irgendwie muss man ja sein Geld verdienen, warum nicht mit den Dingen die einem Spaß machen?"
Das Konzept funktioniert vor allem auch wegen seiner Exklusivität. Nur zwei Wochen hat man in diesem Jahr Zeit, die temporäre Galerie zu besuchen. Und dank wechselnder Veranstaltungen und Konzerten gibt es auch immer wieder Neues zu entdecken.
Ein Programm, das sich eine normale Galerie auf Dauer nicht leisten kann. Doch die Urbanpiraten machen ja auch keine normale Galerie.
"Wir sind eher eine Off-Kunst-Szene", meint Alexander. "Streetart und Kunst - bei uns verschwimmen die Grenzen. So sind wir eine Art Auffangbecken für Leute, für die normale Galerien uninteressant sind."
Für Fräulein Lieschen macht genau das den Reiz an diesem Projekt aus: "Ich glaube, dass viele Leute von den klassischen Künsten gelangweilt sind. Da ist das ein super Konzept um Leute wieder an Galerien heran zu führen. Indem man das von jungen Leuten machen lässt, mit Konzerten und Parties. Nicht trocken und trist, sondern fröhlich, bunt und farbenfroh."
Die Urbanpiraten schaffen, womit man in Magdeburg fast gar nicht mehr rechnet: junge Kunst und Künstler in einer Art und Weise zu präsentieren, die sympathisch ist und neugierig macht.
Fragt sich nur, wer diesen Ansatz weiterführt. Denn die Piraten stechen ab dem 5. Juli wieder in See. Und eine adäquate Nachfolge ist in der momentanen Kulturszene Magdeburgs leider nicht in Sicht.
(Juni 2009)
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Die Urbanpiraten sind ein loser Zusammenschluß von knapp 12 verschiedenen Grafikern, Fotografen, Künstlern und Designern. 2008 fanden sie sich zum ersten Mal zusammen, und verwandelten für vier Wochen eine leerstehende Wohnung am Magdeburger Hasselbachplatz in eine temporäre Galerie. Doch bei der Premiere gab es auch zahlreiche Probleme, die bereits mit der Wohnungssuche losgingen. Dazu kamen behördliche Auflagen, denn eine Wohnung lässt sich nicht so einfach als öffentliche Galerie nutzen.Auch deshalb haben sie in diesem Jahr gezielt nach gewerblichen Räumen gesucht, und sind dabei auf die ehemalige Kneipe "Oma & Opa" am Hasselbachplatz (Einsteinstraße 13) gestoßen.
Weitere Informationen zu den Urbanpiraten, zur Ausstellung und den Veranstaltungen findet ihr hier:
Die Urbanpiraten im Netz
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