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| AutorIn: | Torsten Porstmann, Kathrin Teichmann |
| Kamera: | Torsten Porstmann, Stefan Rakebrand, Kathrin Teichmann |
| Schnitt: | Torsten Porstmann |
| SprecherIn: | Jacqueline Piwon |
| Länge: | 4min |
Wie viele andere Städte in den neuen Bundesländern hat auch Magdeburg ein Problem mit leer stehenden Gebäuden, die zunehmend verfallen. Für die Eigentümer lohnt sich eine Sanierung oftmals nicht, so dass viele Häuser auf kurz oder lang abgerissen werden. Dem will Linda Behrens vorbeugen, mit sogenannten Wächterhäusern:
"Hinter dem Konzept der Wächterhäuser steht die Idee, leer stehende, nicht genutzte Häuser mit verschiedenartiger Nutzung wieder zu beleben.", so Linda, die in Magdeburg vor allem als Kabarettistin bekannt ist. "Damit sollen sie zum einen vor dem Verfall bewahrt werden, und andererseits sollen auch die Stadtteile dadurch wiederbelebt werden. So lange, bis sich wieder eine normale Wohnnutzung realisieren lässt."
Dass dies funktionieren kann, sieht man in Halle. Denn auch die Saalestadt kämpft schon lange gegen den Leerstand. Doch seit fast drei Jahren sorgt der Verein HausHalten e.V. dafür, dass leer stehende Gebäude wiederbelebt werden – und so dem Verfall entgehen.
"Die Haushalten-Idee kommt ursprünglich aus Leipzig. Dort wurde 2004 der HausHalten-Verein gegründet.", erinnert sich Stephan Schirrmeister, Vorsitzender des Hallenser HausHalten e.V. "Zwei Jahre später kam die Idee dann nach Halle. Ein amerikanischer Praktikant aus dem Stadtplanungamt hat gesehen dass hier etliches leer steht und verfällt, und stieß in Leipzig auf dieses Projekt. Per Zeitung startete er einen Aufruf zur Gründung eines solchen Vereins in Halle. Im November 2006 haben wir uns dann zusammen gefunden."
Das Idee dahinter ist einfach: Für einen Zeitraum von fünf Jahren stellt der Eigentümer sein Gebäude kostenfrei für Nutzer zur Verfügung. Als solcher zahlt man lediglich die Nebenkosten. Der Verein ist dabei Vermittler zwischen den Mietern und dem Eigentümer. Wer ein stimmiges Konzept vorlegt, darf einziehen.
In Halle sind es wegen der dortigen Kunsthochschule vor allem junge Künstler, die das Angebot nutzen.
So wie die Keramikerin Almuth Lohmann, die seit 2007 Mieterin in so einem Wächterhaus ist. Nach ihrem Studium an der Kunsthochschule Halle suchte sie nach günstigen Atelier- und Arbeitsräumen. Durch Freunde stieß sie schließlich auf das Projekt – und zog ein. Doch das Arbeiten in einem unsaniertem Gebäude hat auch seine Tücken, wie uns Almuth berichtet:
"Ich bin hier ganz gerne zum Arbeiten. Das Problem an diesem Wächterhaus ist allerdings, dass es oftmals schwierig ist zu Heizen. Wir haben in unserer Wohnung beispielsweise nur einen Kohleofen, der allerdings nicht immer ausreicht. Manchmal kostet es im Winter dann Überwindung hierher zu kommen und zu arbeiten."
Die Mieter bleiben mit solchen Problemen aber nicht alleine. Gegenseitige Hilfe wird groß geschrieben, und der Verein unterstützt sie wo er nur kann.
Am Ende profitieren alle Seiten von dem Projekt: Die Mieter von den günstigen Preisen, und der Hauseigentümer muss sich keine Sorgen um Verfall, Vandalismus oder Einbrüche machen.
Noch erstaunlicher ist laut Stephan Schirrmeister aber der positive Effekt, den solch ein Wächterhaus auf seine unmittelbare Umgebung ausübt:
"In den Viertel, in denen diese Häsuer stehen, fehlt es ja oftmals auch an Cafès und anderen Treffmöglichkeiten. Da steht das Haus dann wie ein Leuchtturm und zeiht die Leute an. Damit schaffen wir gleich zwei Ziele: einerseits das Haus zu erhalten, und andererseits Kultur in das Viertel zu holen."
Diese Synergieeffekte würde Linda Behrens auch gerne in Magdeburg sehen. Dazu hat sie gemeinsam mit anderen Interessierten und mit Unterstützung des Leipziger Vereins einen Magdeburger Haushalten-Verein gegründet. Eine Liste mit geeigneten Gebäuden gibt es schon – und auch eine Reihe von Interessenten, die diese gerne als Arbeits- oder Wohnraum nutzen würden. Auch das Stadtplanungsamt hat bereits seine Unterstützung zugesagt. Der Fahrplan für die nächsten Jahre steht somit fest.
"Wir wünschen uns, dass wir in fünf Jahren ein lebendiger Verein in Magdeburg werden, und vielleicht wie in Leipzig auch hier 13 Häuser bespielen.", hofft Linda. "Das setzt natürlich auch immer eine gute Kooperation mit den Eigentümern, den Nutzern und der Stadt voraus. Die Wächterhäuser sollen zu einem Intrument werden, dass die Stadt auch wirklich belebt."
Vor allem aber hätte Magdeburg damit zum ersten Mal ein tragfähiges und vor allem dauerhaftes Konzept zur Nutzung von leer stehenden Gebäuden. Die Aussichten dafür sind nach den Erfahrungen in Halle und Leipzig, nicht schlecht.
(Oktober 2009)
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Die Idee der Wächterhäuser entstand Ende 2003 Jahren in Leipzig. Mittlerweile haben sie sich zu einem festen Bestandteil der lokalen Kulturszene entwickelt - wenn man sich innerhalb der dortigen Kulturszene bewegt, kommt man fast zwangsläufig damit in Kontakt. Denn aufgrund der unkomplizierten Vergabe und vor allem den günstigen "Miet"preisen enstehen hier Strukturen und Ideen, die unter normalen Umständen nie funktionieren würden. Hier kann man ohne finanziellen Druck experimentieren und sich ausprobieren.
Oftmals werden die Wächterhäuser auch einfach als Sprungbrett in die eigene Selbstständigkeit genutzt.
Allgemein schließt der jeweilige HausHalten e.V. einen Nutzungsvertrag mit dem Hauseigentümer über fünf Jahre ab. Darin verpflichtet sich der Eigentümer, in dieser Zeit keine Mieten zu erheben und erlaubt die Nutzung durch den Verein bzw. die Nutzer. Diese verpflichten sich im Gegensatz dazu, das Gebäude zu erhalten - kleinere Reparaturen inbegriffen. Nach diesen fünf Jahren wird erneut verhandelt. In Leipzig haben die Nutzer eines solchen Wächterhauses dieses einfach gekauft. Auch das ist möglich.
Doch nicht jedes Haus ist für das Projekt geeignet: Wasser und Strom müssen vorhanden sein, und das Haus in einem generell bewohnbaren Zustand sein. Abbruchhäuser kommen allein schon aufgrund von Sicherheitsvorschriften nicht in Frage. Der Verein soll und kann auch keine völlig verfallenen Häuser wieder sanieren.
Das Projekt gibt es bereits in mehreren Städten, wobei sich in jeder Stadt ein HausHalten e.V. nach Leipziger Vorbild gründet. Satzung, Miet- und Nutzungsverträge werden oftmals direkt vom Leipziger HausHalten e.V. übernommen. Dieser steht den jeweiligen Vereinen auch immer helfend zur Seite.
In Magdeburg sollen die Wächterhäuser ebenfalls Bestandteil der lokalen Kulturszene werden - Künstler, Galerien, Werkstätten und dazu Konzerte und andere Veranstaltungen. So etwas gab es bisher versuchsweise über wenige Wochen nur bei den Urbanpiraten (hier und hier) zu sehen. Dort konnte man auch schön sehen dass man sich damit bei den verschiedenen Ämtern und Behörden nicht unbedingt beliebt macht, und durch diverse Auflagen das ursprünglich geplante kulturelle Angebot auf eine sehr übersichtliche Größe zusammenstreichen muss - in Leipzig würde dies ohne Probleme funktioniern.
Daher ist die zugesagte Unterstützung vom Magdeburger Stadtplanungsamt ein positives und deutliches Zeichen, dass solch eine Nutzungsidee auch in Magdeburg funktionieren könnte.
Mehr Informationen über das Konzept von HausHalten e.V. und den Wächterhäusern findet ihr hier.
Den Magdeburger Haushalten Verein findet ihr unter haushalten-md.de. Auch unter folgender E-Mail-Adresse könnt ihr den Magdeburger Verein erreichen: haushalten-magdeburg@gmx.de
