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- OK Magdeburg - Mi. 22.05., 18 & 22 Uhr
(WDH jeden Dienstag, 20.00 Uhr)
Nach der Ausstrahlung im Offenen Kanal Magdeburg wird die aktuelle Sendung auch in folgenden Offenen Kanälen ausgestrahlt:
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| AutorIn: | Torsten Porstmann |
| Kamera: | Torsten Porstmann, Stefan Rakebrand |
| SprecherIn: | Christina Knop |
| Länge: | 5 min. |
Auf den ersten Blick ein ganz normales Geschäft in der Magdeburger Innenstadt. Doch bei näherer Betrachtung fällt auf, dass etwas nicht stimmt. Die Deko ist irgendwie... anders!
Niemand geringeres als die Urbanpiraten haben hier Hand angelegt. Kreativ verwandeln sie Schaufenster und Läden zu Kunsträumen. Nicht ganz uneigennützig, wie uns Grafikdesigner Alexander Hanke verrät:
"Der Besitzer vom Never Ending meinte dass der Verkauf meiner T-Shirts etwas schleppend läuft. Man könne ja mal eine Aktion machen, die Fenster bemalen und ein bisschen Action machen und die Leute darauf hinweisen dass es noch mehr gibt als die großen und bekannten Marken."
Ähnlich sei es auch bei den anderen Läden - Bellamento, Hot Rats und Krautwells - gewesen. "Die Leute fragen immer nach was für Läden das sind, weil sie noch nie davon gehört haben", erinnert sich Alexander. "So lag es irgendwann nahe alle mal zusammen zu bringen. Nicht nur mit vereinzelten Aktionen. Man kann eine Strecke von Laden zu Laden ablaufen, dadurch können sich die kleinen Geschäfte auch gegenseitig pushen."
Einfache Idee, große Wirkung
Die Urbanpiraten, dass sind Grafiker, Fotografen und sonstige/andere Kreative. Seit 2008 verwandeln sie jedes Jahr ungenutzte Räume in temporäre Galerien. Wo die Urbanpiraten auftauchen, sorgen sie nicht nur für guten Geschmack, sondern auch für den gewissen "Aha"-Effekt. Dafür wurden sie sogar schon mit dem Jugendkulturpreis ausgezeichnet.
Und nun also Geschäfte. Die Idee hinter der Aktion "Art to Shop" ist recht simpel: Vier Künstler gestalten nach ihrem Geschmack vier verschiedene Läden. Dadurch erhalten sie ihre eigene kleine Ausstellungsfläche. Im Gegenzug profitieren die Ladeninhaber von der Aufmerksamkeit. Neben der Umgestaltung finden verschiedene Veranstaltungen und kleinere Konzerte statt, die die Läden miteinander verbinden. Im besten Fall haben also alle Seiten etwas davon.
"Ziel ist es, dass ein paar mehr Leute auf solche kleinen Läden aufmerksam werden und auch darüber nachdenken, zielgerichteter auch mal wieder zu kleinen Läden zu gehen. Und nicht in die großen Shoppingmalls", so Alexander.
Mila Pasko, die das Krautwells gestaltet hat, ergänzt: "Auch die Leute, die sowieso schon in diese Läden gehen könnten nochmal daran erinnert werden dass das cool ist. Auch, dass wir den kleinen Einzelhändler unterstützen."
Vom Bistro zum stoffigen Wald
Was sich albern anhört, ist in vielen Städten wie Magdeburg leider Realität. Die großen Einkaufscenter dominieren das Stadtbild. Uniforme Konstrukte, die in jeder Stadt gleich aussehen und gleich funktionieren.
Mit ihrer Aktion werten die Urbanpiraten den Einzelhandel fernab dieser Konsumtempel auf. Da kann sich ein Bistro schnell mal zu einem sehr stoffigen Wald verwandeln. "Es ist einfach interessant zu zeigen, dass solche Läden viel mehr Potential haben als die üblichen 08/15 Läden in so einem Center. Wenn du bei H&M vorbei gehst, siehst du jeden Monat einen neuen Star auf dem Poster, aber mehr auch nicht. Aber in den Läden kannst du dich noch wirklich austoben und zeigen, dass da auch verschiedene Sachen zusammen spielen können, also wie Gastronomie und Kunst halt. Das kannst du im Alle-Center nicht, weil alles schon vorgegeben ist.", findet Mila.
Vier verschiedene Läden, vier Künstler, vier Gestaltungskonzepte. Das funktioniert auch deshalb so unproblematisch, weil sich Urbanpiraten und Ladenbesitzer kennen. Zudem fallen ungewöhnliche Herangehensweisen wie "Art to Shop" in einer Stadt wie Magdeburg eher auf als etwa in Leipzig oder Berlin.
Wer jetzt allerdings auf den Gedanken kommt, hinter der ganzen Aktion verbirgt sich eine Konsumkritik, der irrt. Denn auch Künstler müssen ja von irgendetwas leben. "Galerie und Laden ist auch darauf ausgelegt, dass junge Kunst verkauft wird. Genau so ist es in den Läden. Es ist aber fernab der Masse", findet Alexander Hanke. Und Mila ergänzt: "Wir verschmähen ja nicht den Kapitalismus. Nur den langweiligen Massenkonsum."
Bewusster Einkaufen – darum geht es den Urbanpiraten. Doch mit "Art to Shop" stemmen sie sich nicht nur gegen Massenkonsum. Vor allem zeigen sie jungen Künstlern, dass sie nicht unbedingt in Galerien ausstellen müssen um ihre Werke zu verkaufen. Noch gibt es genügend Schaufenster in Magdeburgs Innenstadt – Nachmachen unbedingt erlaubt!
(Juni 2010)
Mehr Informationen...
Ihr wollt auf eine ganz besondere Shoppingtour gehen? Dann folgt den Spuren der Urbanpiraten bis zum 17. Juli in Magdeburg. Dazu gibt es noch Konzerte und andere Veranstaltungen:
01.07. Konzert mit "Camomile" im Bellamento in der Lessingstr. 66
09.07. Konzert mit "Future Fluxus" im Hot Rats in der Arndtstr. 42
17.07. Konzert mit "A crush on yesterday" im Krautwells in der Otto-von-Guericke Str. 48
Lagepläne der teilnehmenden Läden und weitere Hintergrundinfos zu den Urbanpiraten findet ihr auch auf deren Internetseite.
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