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- OK Magdeburg - Mi. 22.05., 18 & 22 Uhr
(WDH jeden Dienstag, 20.00 Uhr)
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| AutorIn: | Stefan Rakebrand |
| Kamera: | Stefan Rakebrand, Torsten Porstmann |
| Schnitt: | Stefan Rakebrand |
| SprecherIn: | Christina Knop |
| Länge: | 5 min. |
Na, was wird das hier wohl sein? Richtig! Ein Kino!
Genau genommen: ein Wanderkino. Das Projekt 'Cine Moviles' ist ein kleiner Bus, der quer durch Deutschland tourt. Im Gepäck finden sich außer Leinwand und Projektor natürlich auch Filme. Und diese kommen direkt aus Argentinien. Jedoch nicht nur die Filme, das gesamte Konzept des mobilen Filmtheaters 'Cine Moviles' ist in Argentinien geboren. Dort fahren seit Jahren motorisierte Lichtspielhäuser durch Dörfer und Städte.
Auf der Deutschland-Route stand auch Magdeburg auf dem Spielplan. Der Moritzhof war einer von insgesamt 31 Orten, an dem 'Cine Moviles' gastierte. Gustavo Drincovich, Daniel Heredia und die deutsche Pubizistin Ute Schneider reisen dabei 6 Wochen lang durch jedes Bundesland und legen eine Strecke von 6000 Kilometern zurück. Der Grund für diesen 'Road-Movie' war ein Wettbewerb:
"Die Idee basiert auf eine Kenntnis, die ich seit 5 Jahren über die Cine Moviles in Argentinien habe. Ich habe zwei Reisen mit ihnen gemacht, vor 5 Jahren die erste. Dort habe ich einen Dokumentarfilm über die Cine Moviles gedreht. Als die 'Bundeszentrale für politische Bildung' im letzten Jahr einen Wettbewerb ausgeschrieben hat, um Kulturprojekte aus Lateinamerika in Deutschland zu präsentieren, da lag die Idee für mich nahe: Versuchen wir doch ein paar Wochen mit einem Team der Cine Moviles durch Deutschland zu fahren."
Cine Moviles in Argentinien
Das Team aus Argentinien besteht aus alten Filmhasen. Seit vielen Jahren bauen Gustavo und Daniel die Technik auf und ab. Sie fahren in die entlegendsten Gebiete Argentiniens und bringen Filmkultur an Kinofreie Orte. Alles was sie dafür benötigen haben sie in dem kleinen Bus.
Gustavo N. Drincovich geht es dabei um mehr, als nur Filme vorzuführen:
'Das Projekt hat vor 13 Jahren in Cordoba angefangen. Ich habe neben dem normalen Programm, Kino an Kinofreie Orte zu bringen, dem ganzen einen Sozialen Schwerpunkt gesetzt. Das Ziel ist es, sozialschwächere Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Wir gehen in Gefängnisse, Altenheime und Orte, die weit weg von Städten entfernt liegen.'
In Argentinien gibt es den speziellen Kulturbegriff 'cultura para todos - Kultur für alle'. Das Land sieht es als Recht an, dass jeder Bürger Zugang zur nationalen Kultur hat. In den Städten gibt es Gratisangebote im Bezug auf Theater, Film und Konzerte. In den Dörfern jedoch bleibt das Cine Moviles das einzige Angebot. Die Tour in Deutschland versucht auch kultur- und filmfreie Gebiete aufzusuchen, jedoch finden sich auf der Liste der Veranstaltungsorte viele Kulturzonen und sogar Kinos.
Ute Schneider versucht es so zu erklären:
'Argentinisches Kino kennen Festivalbesucher, aber das breite Publikum so gut wie nicht. Es ist eines der Ziele, das argentinische Kino an Orten zu präsentieren, die normalerweise keinen Zugang dazu haben. Konsequent wäre es vielleicht gewesen zu sagen, wir gehen nur aufs Land. Wir besuchen aber i den großen Städten auch einige der kulturellen Zentren. Beispielsweise auch das Instituto Cervantes (Bremen) für spanisch sprechende Menschen, die hier in Deutschland leben. Also in sofern ist eine Mischung zu Stand gekommen. Wir besuchen alle Bundesländer. 3 davon sind große Städte: Hamburg, Bremen und Berlin. Die waren halt sowieso schon dabei und da haben wir gesagt, machen wir eine Mischung aus großen und kleinen Städten.'
Kultureller Austausch
Für Große und Kleine war auch das Filmprogramm. Ungefähr ein Dutzend Argentinische Filme standen zur Auswahl. Gezeigt wurden sie in Originalsprache auf Spanisch, jedoch mit deutschem Untertitel. Und natürlich war der Eintritt frei - sonst würde die gesamte Tour ja keinen Sinn machen. Für Schulklassen war das mobile Kino ein besonderes Ereignis. Rege beteiligten sich besonders die Kleinen an der Diskussionsrunde, die nach jeder Filmvorführung vorgesehen war. Schließlich soll ja ein kultureller Austausch stattfinden. Dabei lernten nicht nur die Zuschauer etwas über Argentinien und das Projekt - auch Ute Schneider und Gustavo Drincovich interessierten sich brennend für die Eindrücke und Ansichten
der Kinogäste.
Trotz 13 Jahre Cine Moviles sammelt Gustavo immer noch neue Impressionen:
'Ich möchte hier zwei Dinge: Erstens möchte ich das Argentinische Kino hier präsentieren und dann möchte ich natürlich Dinge aufnehmen, die mir hier begegnen, also auch mit den Leute ins Gespräch kommen. Die ganzen Erfahrungen die ich hier mache, werde ich mitnehmen können, denn ich bin das erste mal in Europa und deswegen das erste mal auch in Deutschland.
Cine Moviles ist keine neue Erfindung. Wanderkinos gab es schon viel früher. Auch hier hier in Deutschland. In den den Zeiten des Kinosterbens und der Kulturübermüdung klammert sich die Filmkultur an alttraditionelle Strohhalme. Cine Moviles bewährt sich jedoch auf den Ursprungsgedanken des Kinos: Geschichten zu erzählen und das Publikum zu einem Dialog aufzufordern. Und das von Mensch zu Mensch.
(September 2010)
Mehr Informationen...
Cine Moviles
Am 28. August 2010 ging die Reise mit dem mobilen Kino los. Startpunkt und auch erstes Ziel in einem, war das Iberoamerikanisches Institut in Berlin. Es folgten über 30 weitere Standorte quer durch alle 16 Bundesländer in Deutschland. Letzte Station machte das Instituto Cervantes in Frankfurt a.M. aus. Alle Termine, sowie einen Tagesblog über alle Erlebnisse bei der Fahrt, findet ihr auf der offiziellen Seite des Cine Moviles. Dort gibt es auch einen kleinen Film von Ute Schneider zu sehen. Sie war in Argentinien bei einer Tour dabei und dokumentierte in knapper Form die Grundaussage des Projektes: Kino an Kinofreie Orte zu bringen und dabei durch Gespräche mit den Zuschauern einen Dialog über Filmkultur zu führen. Und das natürlich kostenlos.
Und für alle spanisch Sprechenden gibt eine Blog-Seite vom argentinischen Projekt Cine Movil Cordoba, sowie der deutschen Tour, geschrieben von Gustavo N. Drincovich. Dort findet ihr auch Bilder von Filmvorführungen in argentinischen Dörfern.
Geschichte des Wanderkinos
Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die ersten Kinos überhaupt Wanderkinos waren. Ende des 19.Jh. konnte man auf Jahrmärkten und Volksfesten eine der ersten öffentlichen Filmvorführungen sehen. Der Wanderkinobetrieb funktionierte ähnlich wie ein Zirkus - viele gingen auch wirklich aus Zirkusbetrieben hervor. In Zelten, Sälen und Hallen fanden pro Vorstellung bis zu 1.000 Besucher Platz. Dann, Anfang des 20.Jh. waren ortsfeste Kinos endlich wirtschaftlich tragbar und setzten sich zu mehr durch. Ab den 20ern waren mobile Lichtspielhäuser nicht mehr von Belang. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg bestand wieder die Nachfrage, weil viele Städte und somit die Kinos zerstört waren. Aber auch für die ländlichen Gebiete war das Wanderkino noch bis in die 1960er von Bedeutung. Nach der Industrialisierung und dem Vorteil, dass nun viele ein Auto ihr eigen nennen konnten, wurden die mobilen Kinos wieder überflüssig.
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