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Jugendstil Magazin / Videoportal

Nightwatch by Bjorn Melhus
AutorIn:Torsten Porstmann
Kamera:Torsten Porstmann, Stefan Rakebrand
Schnitt:Torsten Porstmann
SprecherIn:Tina Knop
Länge:3 min.



Mysteriöse Geräusche und eine gespenstische Athmosphäre. Wer das Kunstmuseum Magdeburg betritt, taucht ein in eine geheimnisvolle Nachtszene. "Nightwatch", zu deutsch "Nachtwache", heißt die merkwürdige Installation.
Verantwortlich dafür ist Bjorn Melhus, einer der international zur Zeit gefragtesten Videokünstler. In seinen Installationen führt er vor, wie wir uns im Fernseh- und Medienzeitalter verändert haben.

"Ich glaube man kann in den letzten zehn Jahren einen verstärkten Narzissmus in der Gesellschaft feststellen", so Melhus. "Es gibt eine merkwürdige Ich-Bezogenheit. Jeder möchte eigentlich nur noch berühmt werden und in eben diesem Medium [Fernsehen, Anm. d. Red.] erscheinen - ohne Anlass. Früher war man ein guter Sportler oder konnte toll singen oder so, es gab ja Gründe warum Leute bekannt geworden sind. Heute wollen alle quasi grundlos bekannt werden nur des bekannt seins wegen. Was natürlich auch wieder mit diesem großen Apparat zu tun hat."

Das ist aber nur ein Aspekt. Genüßlich zerlegt er diesen Apparat in seine elementaren Bestandteile. Nur um sie danach ad absurdum zu führen.

In Magdeburg hat er dafür ein Zeltlager geschaffen, das mitsamt Bewacher an die Anordnung in einem KZ erinnert.

"Es hat etwas militärisches oder lagerhaftes. Aber es könnte auch ein Lazarett sein wo Schmerz gelitten wird.", erklärt der Künstler. "Aber es ist tatsächlich auch das Kollektive, dass wir ein gemeinsames Signal haben. Da gibt es dann diese einzelnen synchronisierten Stationen, die die Empfänger sind. Das möchte ich offen angelegt wissen und nicht so direkt nach dem Motto 'Hier bewacht jemand diese zwanghafte Medienbombardierung'. Das wäre glaube ich eine zu einfache Formel. Es gibt viele Aspekte und man muss sich nicht auf eines festlegen."

Die eigentliche Ausstellung findet in unserem Kopf statt


Genau wie das Fernsehen ist seine Ausstellung eine sich ständig wiederholende Endlosschleife.
So wird die Videoprojektion des Mondes zum Geduldsspiel: Jeden Moment könnte und müsste etwas passieren. Eigentlich. Wäre dies ein Fernsehprogramm, wir hätten wohl längst weitergezappt.

Das Geheimnis von Nightwatch liegt in seiner Umsetzung: Was wir zu sehen bekommen ist an sich harmlos und simpel. Die eigentliche Ausstellung findet jedoch in unserem Kopf statt:

"Ich bin vorher mal gefragt worden ob diese Ausstellung denn jugendfrei sei. Ich meinte nur natürlich ist sie das. Denn wir sehen ja nichts, was irgendwie schwierig sein könnte, sondern hören nur bestimmte Töne. Es ist ganz interessant ob es nun der Ton oder die Bilder sind, die wirken. Der Ton projiziert vielleicht eine Fantasie in uns, die aber immer aus unseren eigenen Bildern besteht. Wenn ich davor irgendwelche Bilder geshen habe, die damit in einem Zusammenhang stehen, mit irgendwelchen grenzwertigen Dingen, dann reproduziere ich in dem Moment diese Bilder in meinem Gehirn."

Bjorn Melhus' "Nachtwache" ist also vor allem eine Auseinandersetzung mit uns selbst. Und ein bizarres Experiment, wie viel TV bereits in uns steckt.

(November 2010)


Mehr Informationen...


1966 wurde Bjorn Melhus in Kirchheim geboren, lebt und arbeitet zur Zeit aber in Berlin.

Seine Videos, in denen er selbst zum Akteur und Medium wird, haben Bjorn Melhus international bekannt gemacht. Es sind äußerlich verspielte Rollen, in denen sich das Ausmaß der Veränderungen der Menschen im Fernseh- und Medienzeitalter zeigt.

Die Ausstellung "Nightwatch / Nachtwache" ist seit dem 12. Oktober und noch bis zum 9. Januar 2011 im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg zu sehen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr

Mehr Informationen gibt es auf der Homepage vom Kunstmusem.


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